André Frobels "Das Kollier" enthält ausgesprochen innovative Ansätze. Mit 60 Geldkarten á 1000 $ und 40 Edelsteinkarten läuft eine Versteigerung um Klunker ab, mit denen die Spieler ein Kollier zusammenstellen sollen. Jeder der drei bis sechs Spieler bekommt eine Übersichtskarte, aus der Wert und Anzahl der zehn Edelsteinsorten ablesbar sind. So haben die billigen Achatkarten einen Grundwert von 1000 $, sind aber achtmal vorhanden, dagegen gibt es den teuren (10.000 $) Diamanten nur einmal.
Das gesamte Kapital wird verteilt. Die wertvolleren Diamanten, Rubine und Topase werden für die ersten Runden aussortiert, alle anderen Edelsteine kommen in die Versteigerung.
Entscheidend ist der symmetrische Aufbau des
Kolliers, das aus mindestens drei Edelsteinen bestehen muss,
wobei mindestens zwei gleichartige um einen wertvolleren
Stein angeordnet sein müssen. Der Wert der so gebildeten
Kolliers ergibt sich aus dem Grundwert der benutzten
Edelsteine, der mit der Anzahl der Edelsteinarten
multipliziert wird.
Zu den Kolliers kommen die Spieler durch Versteigerung der Edelsteinkarten, wobei in den ersten sechs Versteigerungsrunden nur mit dem vorhandenen Bargeld gesteigert werden darf - und das wird schnell knapp!
Geldnachschub erhalten die Spieler nur einmalig von der Kasse, indem sie Edelsteine zum Grundwert oder Kolliers verkaufen, dafür gibt es aber nie mehr als 10.000 $. Außerdem fließen 50 Prozent der Versteigerungssumme in die Kasse des Auktionators.
Dies gilt aber nur dann, wenn der Versteigerer sich für eine normale, nach oben offene Auktion entschieden hat, bei der er selbst nicht mitbieten kann. Hier muss der Auktionator, sofern die anderen nicht mitbieten, die Edelsteine zum Einstiegspreis, der mindestens dem Grundwert entspricht, selbst bezahlen. Alternativ kann er die Versteigerung auch nach unten ablaufen lassen. Ein Spieler, der diese Form wählt, besitzt stets ein Vorkaufsrecht.
Damit die Versteigerung sich lohnt, muss stets ein Mindestwert von Edelsteinkarten aufgedeckt werden, der abhängig von der Spielerzahl 4000$ bis 6000 $ beträgt.
Sobald die 35 Edelsteinkarten alle einmal versteigert worden sind, geht es in die zweite Runde. In dieser gibt es für jeden Spieler erst einmal eine Finanzspritze von 3000 $, außerdem werden die fünf wertvollsten Edelsteinkarten in den Kartenstapel gemischt.
Dieser ist in der Vorrunde durch den Verkauf von Kleinodien und der Möglichkeit, nach der sechsten Runde auch ganze Schmuckstücke in den Versteigerungen mit einzusetzen, wieder angewachsen. Sobald der zweite Stapel komplett versteigert wurde, endet das Spiel, das der Spieler mit dem wertvollsten Kollier gewinnt.
Frobel ist mit seinem Erstling eine Versteigerungsspielvariante gelungen, die ihren besonderen Reiz aus den unterschiedlichen Spielphasen gewinnt. Zunächst gilt es, mit dem knappen Kapital hauszuhalten. Wer hier zu früh viel investiert, verhilft den Mitspielern zu Schnäppchen in der fünften und sechsten Runde.
Danach eröffnet der Einsatz kleiner Kolliers ganz neue Versteigerungsmöglichkeiten. Der Kampf in den Schlussrunden um die hohen Spitzenwerte hält den Spannungsbogen über die gesamten Spielphasen hinweg aufrecht. "Das Kollier" ist ein rundes, stimmiges auch sehr zügiges Spiel, das maximal 30 Minuten dauert und sich gut für Wiederholungsrunden eignet.
Kritische Anmerkungen muss man zu der Umsetzung der Spielidee machen, und hierbei ist dem Verlag anzulasten, dass Erwartungshaltungen enttäuscht werden. Auf allen Kollierkarten sind nicht nur die Edelsteine abgebildet, sondern sie enthalten auch ausführliche Informationen über diese Preziosen.
Der Informationswert ist sicherlich hoch, so dass die Spieler über sämtliche Härtegrade informiert sind, der Spielwert leidet aber darunter. Nicht nur, dass einige Texte wegen der kräftigen roten Hintergrundfarbe fast nicht lesbar sind, die ästhetische Wirkung der Kolliers geht völlig verloren.
Akzeptieren würde ich diese langen Sachinformationen bei einem Quartettspiel, nicht aber bei einem Versteigerungsspiel, das ein vorzeigbares Schmuckstück zum Spielziel erklärt hat. Ein Anhang in der Spielregel hätte ausgereicht, die Kartengrafik hätte die Erstellung eines echten Kolliers ermöglichen müssen.
Die sterile Wirkung der Spielkarten konterkariert die Spielidee. Hier war ein Grafikerteam am Werk, das von der Entwicklung von Spielatmosphäre keine Ahnung hat. Chancen sind vertan worden! In dieser Umsetzung wird "Das Kollier" leider keinen erfolgreichen Weg gehen.
"Das Kollier" von André Frobel für 3 bis 6 Spieler ab 10 Jahren ist bei Schmidt Spiele erschienen und dauert ca. 30 Minuten. Grafik: Duo/Type Set, Preis: ca. 10 DM.
Wieland Herold