"Hallo. Ich habe mir neulich das Kartenspiel 'Verräter' gekauft und bin begeistert. Ich kannte die Firma Adlung-Spiele vorher nicht, aber ich finde es toll, dass auf große Verpackungen verzichtet wird .(so kann man die Spiele gut überallhin mitnehmen) ..." So Nadine auf KMW's Diskussionsseite im Internet.
Überallhin mitnehmen konnte man das erste Spiel des Autors und Verlegers Karsten Adlung absolut nicht. Im Frühsommer 1990 war es fertig geworden. Möbelgriffe haben den damals 27-jährigen Korntaler Behördenangestellten zu "Cheroli" inspiriert.
Er bot das Spiel Franckh Kosmos an, wo es wegen der
Materialfülle abgelehnt wurde. Dort bekam er aber den
Tipp, es beim Göttinger Spieleautorentreffen zu
versuchen. Auf den Weg dahin machte sich Adlung zusammen mit
seiner Schwester Angela am 7. Juli.
Kurz vor Göttingen verließ ihn der Mut, er wollte umkehren und hielt nur wegen des Drängens seiner Schwester durch. Dafür ist er ihr heute noch dankbar, das Echo in Göttingen war hervorragend. Eine Partie mit Alex Randolph brachte die Entscheidung: In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli beschloss Karsten Adlung, dass er das Spiel selbst herausbringen wollte. (Im Bild: Karsten Adlung 1992 mit "Taktvoll" in Göttingen)
Der Verlag Adlung-Spiele war auf den Weg gebracht und damit ein gewichtiges Spiel, das fast 2 Kilo wog, vollgepackt, ganz ohne Luft, ein Spielkasten, der heute noch, zehn Jahre später, seine gesamte aktuelle Spielproduktion aufnehmen kann.
Mit 24 Kartenspielen stellt sich heute Adlung-Spiele der Konkurrenz großer Spieleverlage. Ob er sich vor zehn Jahren vorstellen konnte, das Spieleerfinden und -verlegen zu seinem Hauptberuf zu machen? "Ich glaube, nicht. Damals war ich sehr blauäugig. So, wie zu Beginn der 90er Jahre, würde ich es jedenfalls nicht noch einmal machen!"
"Der ist verrückt, der Adlung!" Das musste er sich oft anhören, wenn er wieder einen Quantensprung vollzog. Zuletzt 1999, als er die Anzahl seiner neuen Spiele fast verdoppelte. Verrückt ist auch die Geschichte seiner Erstproduktion, die anders gestrickte Autoren an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hätten.
Karsten Adlung ist aus anderem Holz geschnitzt, was er sich vornimmt, setzt er durch. Er hat ein gutes Gefühl für das Besondere, Abgrenzende, grafisch Auffallende. Er besitzt ein ausgeprägtes Gespür für Sprache und Werbegags.
"Endlich kann jeder mal in aller Öffentlichkeit 'ein krummes Ding dreh'n" war das Motto seines ersten Spiels. Gemeint waren die 18 Möbelgriffe des Spiels, von denen jeder Spieler drei über einen variablen aus Holzscheiben zu bildenden Spielplan aus einem Startbereich in eine Zielzone zu bewegen hatte.

Steffi und Karsten Adlung
Den richtigen Dreh der Spielproduktion lernten Adlung und seine mitspielbereite Familie gleich am Anfang kennen. Dass 500 Spiele - die erste Auflage - soviel Arbeit machen können, ahnte im Sommer 1990 noch keiner der Adlungs.
Adlung ließ eine Spritzgussform für die Spielfiguren anfertigen. Der Hersteller, der ihm säckeweise 12.000 Teile in sechs Farben lieferte, arbeitete äußerst schluderig. Alle Familienmitglieder mussten beim Aussortieren der Ausschussteile mithelfen. Noch schlimmer sah es bei der Holzlieferung aus. Mit 600 Kilo Holz zog ein starker Harzgeruch in Adlungs Wohnung ein. Über 20 Prozent der Holzscheiben waren nicht zu gebrauchen.
Im schwarz-weißen Design kam die Schachtel von "Cheroli" daher. Die Holzscheiben ließen kreative Aufbaumöglichkeiten des Spielplans zu, und auch der eingängige Spielmechanismus fand viel Zustimmung.
Im Herbst 1990 war der Prototyp der "Kette" fertig, "Kettenreaktion" nannte er es noch. Ein Spiel, in dem die Türgriffe zur Verbindung von ganzen Kettengliedern benutzt worden. Es ging um das Erreichen von bestimmten Farbkombinationen. Produziert wurde das Spiel erst 1995, im übrigen das einzige von Adlungs großen Spielen, das er heute noch im Programm hat.
1991 brachte er "Plan-Cheroli" heraus, dabei hat er die "Cheroli"-Idee auf einen festen Spielplan übertragen.
Mit "Karmas" stellte er auf dem Autorentreffen in Göttingen ein fetziges Würfelspiel vor, das er 1992 veröffentlichte. Ein Jahr später zeichneten sich schon die Umrisse seines erfolgreichen Weges als Verleger ab. Seine eigenen Spielideen passten in immer kleinere Schachteln, der Weg zur Profilierung im Bereich Kartenspiele war beschritten.
Aus der Idee "Notenschlüssel" war sein erstes Kartenspiel "Taktvoll" geworden. Ein Anlegespiel mit Noten- und Taktkarten, das ohne musikalische Vorkenntnisse, aber mit Grundkenntnissen der Bruchrechnung spielbar ist.
Der große Durchbruch stellte sich 1995 ein. Der
Geheimtipp in Essen war ein Ablegespiel, das man in zwanzig
Sekunden erklären und das fast mit dieser
Geschwindigkeit ablaufen kann. Der damals fast unbekannte
Reinhard Staupe trat mit Adlung seinen Siegeszug an.
"Speed" kam 1996 auf die Auswahlliste für
das "Spiel des Jahres". Innerhalb kürzester
Zeit verkaufte Adlung über 100.000 Spiele, die aktuelle
Auflage liegt bei einer halben Million verkaufter Spiele.
Hinter Adlung-Spiele steht eigentlich ein Familienunternehmen. Beim Spieletesten und auf den Messen helfen Karsten Adlungs Geschwister, sein Vater und seine Frau Steffi stets mit. "Ich konnte aus vielen Fehlern lernen, weil mir meine Familie den Rücken freigehalten hat. Meine Fehler durfte ich ausleben!"
Mit "Speed" ging's bergauf. Adlung wurde wichtige Anlaufstation für neue Autoren. Inzwischen ist der Verlag sein Hauptberuf. Mit seinem Schwager Jürgen Martens hat er einen Grafiker gefunden, der seinen kompakten Spieleschachteln ein unverwechselbares Äußeres gibt.
1998 erkannte Adlung als erster, dass der Titanic-Film sich zum Spielthema des Jahres eignen könnte. Mit Bernhard Naegeles "Titanic- der Mythos" veröffentliche er das anspruchvollste Titanic-Spiel. Ein Jahr vorher war Zoltán Aczéls "Snap" erschienen.
Neben den genannten Autoren gehört sicherlich Marcel-André Casasola Merkle zu den herausragenden Entdeckungen Adlungs. Schon seine 97er Erstveröffentlichung "Elements", eine Pokerspielvariante, deutete die Qualitäten dieses jungen Autors und Grafikers an.
Sein großer Erfolg kam 1998/99 mit
"Verräter", erneut ein Listenspiel, mit dem
es ihm gelungen ist, spannendste Brettspielatmosphäre
mit 66 Karten zu erzeugen.
"Verräter" ist
neben "Speed" das herausragende Spiel im
Verlagsprogramm, das durch vielfältige Angebote
erweitert wurde.
Wie wird es weiter gehen? Dass Karsten Adlung auch in Zukunft für Überraschungen sorgen wird, ist so gut wie sicher. Der Autor und Verleger, der in seiner Frühphase gesagt hat: "Ich werde nie ein Kartenspiel machen, weil ich keine Kartenspiele mag!", wird weiterhin auf Kartenspiele setzen.
Im Jubiläumsjahr werden neun Spiele das Verlagsprogramm erweitern, wobei er selbstkritisch feststellt, dass die Spieler "nur ein geringes Zielpublikum für mich darstellen."
Anfragen aus Schulen, therapeutischen Einrichtungen, positive Rückmeldungen aus Nichtspielerkreisen zu Spielen wie "Loopino" erfordern eine Veränderung des Programms, das in Zukunft Kinder- und Gedächtnisspiele, Party- und Funspiele stärker berücksichtigen wird. "Ein oder zwei anspruchsvolle Spiele werden aber immer mit dabei sein!"
Zum Jubiläum im Juli verspricht Adlung einen besonderen Leckerbissen, den er sich auf der Nürnberger Spielwarenmesse im schnellen Zugriff gesichert hat. Entworfen auf einem "NIX"-Blatt hat ihm ein Autor "Gerüchteküche" präsentiert. "Es haut jeden vom Hocker!", so Karsten Adlungs Einschätzung dieser Neuheit. Mit drei Sätzen erklärt, bringe es Spielvergnügen pur. Wir dürfen gespannt sein.
Wieland Herold
Verlagsadresse: Adlung-Spiele, Küferstr. 40/1, 71686 Remseck, Tel. 07146/44005, Fax: 44006; Internet: www.adlung-spiele.de
Ludographie:
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Cheroli |
Karsten Adlung |
1990 |
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Plan Cheroli |
Karsten Adlung |
1991 |
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Karmas |
Karsten Adlung |
1992 |
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Taktvoll |
Karsten Adlung |
1993 |
|
Taktvoll Bass-Schlüssel |
Karsten Adlung |
1994 |
|
Taktvoll Punktierte |
Karsten Adlung |
1994 |
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Die verrückte Kette |
Karsten Adlung |
1995 |
|
Speed |
Reinhard Staupe |
1995 |
|
Shit |
Reinhard Staupe |
1996 |
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Up and Down |
Karsten Adlung |
1996 |
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Elements |
Marcel-André Casasola-Merkle |
1997 |
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Loopino |
Karsten Adlung |
1997 |
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Snap |
Zoltán Acél |
1997 |
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Dots |
Bernhard Naegele |
1998 |
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Grabsch |
Karsten Adlung |
1998 |
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Löwendynastie |
Hartmut Witt |
1998 |
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Maskenball |
Zoltán Aczél |
1998 |
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Schlauer Bauer |
Michael Schacht |
1998 |
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Titanic - der Mythos |
Bernhard Naegele |
1998 |
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Verräter |
Marcel-André Casasola-Merkle |
1998 |
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Bambuti |
Hartmut Kommerell |
1999 |
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Dschungel |
Bernhard Naegele |
1999 |
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Lao Pengh |
Patrich Inauen |
1999 |
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Maskenball Venezia |
Zoltán Aczél |
1999 |
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Nix |
Karsten Adlung, Werner Müller |
1999 |
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Ocean |
Peter Schurzmann |
1999 |
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Pisa |
Günter Burkhardt |
1999 |
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Puls |
Andreas und Marion Dettelbach |
1999 |
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Take Off |
Frank Brandt |
1999 |
|
Gerüchteküche |
Hartmut Witt |
2000 |