Spielbesprechung

Zebulon

Autor: Herbert Schützdeller, Verlag: Siebenstein Spiele, 48161 Münster, Preis: ca. 39 DM, plus Versand, für zwei Spieler ab 12 Jahren

Dieses wunderschöne Taktik- und Strategiespiel präsentiert den Spielern einige neue Spielelemente. Gespielt wird auf einem Spielplan aus Filz mit formschönen, glänzenden Holzsteinen. Die eigentliche Spielfläche von 5 mal 5 Felder wird an jeder Seite durch eine Grundlinie vervollständigt. Ziel der 14 eigenen Steine (Bauern) ist es eine ununterbrochene Linie von einer Grundlinie zur gegenüberliegenden zu errichten. Unterstützt werden sie dabei von 5 Edelleuten – die aber nur bei einem Duell benötigt werden.

Das klingt nicht sehr neu, doch der Weg zum Ziel hat wirklich Finesse. Die Bauern werden abwechselnd auf den Plan gesetzt und danach nicht mehr bewegt. Deshalb ist schnell kein Platz mehr auf dem Spielbrett und es kommt zu Konflikten. Sobald ein Bauer auf ein Feld gesetzt werden soll auf dem sich schon ein gegnerischer Stein befindet, wird ein Duell ausgetragen.

Für die Duelle werden die Edelleute benötigt. Sie kommen nicht auf den Spielplan, sondern außerhalb zum Einsatz. Die fünf Edelleute hat jeder Spieler vor sich aufgestellt stehen und für einen muß er sich entscheiden. Dieser wird verdeckt ausgespielt und anschließend wird ermittelt welcher der Edelleute den meisten Einfluß hat. Dies wird nicht durch die Reichweite oder Stärke der Figur entschieden, sondern durch die Anzahl der eigenen Bauern auf dem Spielbrett die der Edelmann in seinem Einflußbereich hat.

Man nimmt also an, daß beide ausgespielten Edelleute auf dem Spielfeld stehen um das es geht und zählt die eigenen Bauern im Einflußbereich des Edelmannes. Bei Gleichstand werden beide Bauern entfernt (können aber später wieder eingesetzt werden), ansonsten kann der siegreiche Bauer bleiben, der unterlegende Bauer jedoch muß auf ein anderes Feld weichen.

Der Einflußbereich der Edelleute ist stark an die Zugmöglichkeiten einiger Schachfiguren orientiert. Der Bischof beherrscht die diagonalen, der Ritter die waagerechten und senkrechten, die Dame die diagonalen und geraden, der König die unmittelbar benachbarten und der Hofnarr die vier gerade benachbarten.

Dieser Mechanismus birgt einige interessante Taktiken. So ist die Stärke eines Edelmannes immer von der Spielsituation abhängig und ein Duell muß gar nicht das Ziel haben zu gewinnen, denn der unterlegende Bauer wird eventuell versetzt und steht dann vielleicht in einer besseren Position.

Nach einem Duell bekommt man die Edelleute erst wieder zurück wenn alle einmal eingesetzt wurden – nur ist es dann eine Figur weniger. Die Dame kommt ganz aus dem Spiel.

Beendet ist eine Partie erst wenn beide Durchgänge gespielt sind. Es gewinnt dann der Spieler mit der längsten zusammen hängenden Kette.

Zebulon ist eine echte Herausforderung für Taktiker die das neue lieben und nicht eine neue Schach- oder Vier gewinnt Variante spielen wollen. Und da daß Auge bekanntlich mit ißt, ist man bei diesem Spiel am richtigen Tisch.

Uwe Wibben (November 1998)

[ Home ] [ Top ] [ Archivübersicht ]